Transzendenz

Transzendenz

Von mehreren gesellschaftlichen Strömungen, höre ich sehr naive Einstellungen zu Religion. Religion sei Opium für’s Volk. Religiöse Menschen seien Spinner in jeder Hinsicht, weil sie an etwas Übernatürliches glauben.
Religiöse Gefühle werden als Geisteskrankeit verstanden, an der mehrere Milliarden Menschen leiden.

Das ist Grund genug einen genaueren Blick aus weltlicher Sicht darauf zu werfen, der zumindest Fragen aufwirft und wenigstens etwas fruchtbarer ist.


Stell dir vor, du wärest reich und mächtig. Unvorstellbar reich. Dein Haarem besteht aus den schönsten Menschen. Deine karzinogenfreien Zigarren entzündest du mit 500-Euro-Scheinen. Dein Toilettenpapier besteht aus einer Mischung aus Seide und einer Verbindung aus der Weltraumforschung mit so tollen Eigenschaften, dass man es erlebt haben muss um es nachvollziehen zu können. So reich also, dass du dir praktisch jeden weltlichen Wunsch erfüllen kannst. Glaubst du, du würdest dir mehr Geld wünschen? Wie hart würdest du für noch mehr Geld arbeiten?

Die Chancen stehen gut, dass du, lange bevor du dir diese Situation erarbeitet hättest, merken würdest, dass Geld nicht glücklich macht. Das menschliche Gehirn ist nicht dafür geschaffen die ganze Zeit glücklich zu sein. Es gewöhnt sich im wesentlichen an seinen Zustand, der dann als normal empfunden wird. Das stimmt nicht ganz, aber fast und soll für die Zwecke dieses Artikels reichen.

Wir sind für ein Steinzeitleben geschaffen, in dem unser Zugang zu Nahrung stets unsicher ist, wir uns vor Raubtieren verstecken müssen und mehrere unserer Kinder sterben sehen werden. Unser heutiges Leben ist unvorstellbar reich, für einen unserer Vorfahren aus der Steinzeit. Wie unglücklich müssen die damals gewesen sein? Genauso unglücklich wie wir oder unsere superreiche Vorstellung mit Hightechklopapier.


Da ist noch ein Problem. Egal wie viel Geld du hast. Egal wie mächtig du bist. Du wirst sterben! Es kommt der Tag an dem dein Herz aufhören wird zu schlagen und dein Hirn aufhören wird zu denken, zu fühlen, zu sein. In einer atheistischen Welt ist dann alles vorbei. Mit dir stirbt die Welt. Das Subjekt ist tot und mit ihm die subjektive Perspektive. Eine objektive Perspektive hat es nie gegeben – hast du nie erlebt. Alles ist egal. Weil es nichts gibt und es so ist, als ob es nie etwas gegeben hätte, obwohl die Welt weiter läuft. Ohne dich.

Wenn ich an die Macht und den Einfluss von Mayer Amschel Rothschild denke, denke ich häufig auch daran wie viel besser es mir geht. Die Exkremente, die ich täglich im Klo runterspüle haben mehr Leben als Mayer Arschloch Rothschild es heute in den Knochen hat. Mir ist es auch bei anderen egal wie mächtig sie heute sind. Am Ende sind sie nichts. Weniger als jeder lebende obdachlose Lumperträger Schoßhund auf einer Parkbank im Winter. Atheistisch interpretiert.

Wenn das atheistische Weltbild falsch ist, kann das alles natürlich vollkommen anders sein. Das soll nicht dazu verleiten, das atheistische Weltbild abzulehnen, weil deren Ergebnis ungünstig ist. Wer nichts verspricht, kann sein Versprechen zumindest halten.


An der Stelle muss ich kurz Arie Kruglanski, einen israelischen Terrorismusforscher, der Selbstmordattentäter untersucht, zwischen schieben. Ihm nach hat Spiritualität unter anderem die Aufgabe dem Menschen zu helfen mit seiner eigenen Bedeutungslogikeit fertig zu werden. Insbesondere mit der Erkenntnis, dass sein eigener Tod unvermeidlich ist, und alles was ihm wichtig ist, ausgelöscht wird. Der Mensch hat ein starkes Bedürfnis diese Bedeutungslosigkeit zu reduzieren oder zu verdrängen. Der Trick ist nun, dass Selbstmordattentäter glauben alle ihre Bedeutungslosigkeitsgründe auf einmal entgehen zu können und Ruhm und Ehre auf Erden sowie einen Platz im Paradis zu bekommen, wenn sie sich auf eine bestimmte Art das Leben nehmen. Die Kurzfassung: „weil sie nicht sterben wollen, bringen sie sich um“. Es ist natürlich begrüßenswert, dass die eine Möglichkeit gefunden haben, mit ihren Sorgen umzugehen. Leider ist es eine destruktive, die alles zerstört, was wichtig war und nicht nur den Sorgen, sondern auch dem Sorger ein frühes Ende setzt.


Doch zurück. Wir sind also unvorstellbar reich und mächtig. Jippy! Wir fühlen uns alle gut. Hat der Artikel nicht schön angefangen? Aber uns ist aufgefallen, dass uns das nicht glücklich machen kann. Wir wissen, dass wir sterben werden. Die atheistische Welt hat uns nicht viel zu bieten.
Sie bietet uns einen Eintrag in den Geschichtsbüchern oder sogar in Wikipedia. Aber als mächtiger Mensch sind wir uns bewusst, dass Geschichte nicht notiert, sondern geschrieben wird. Und umgeschrieben. Wenn ich in Geschichtsbüchern stehen will, bezahle ich einfach die, die sie schreiben. Fast zumindest. Aber da lässt sich auch was regeln.
Es ist bekannt, dass Geschichtsschreibung (über „aus der Geschichte lernen“) ein Einflussmittel auf das normale Volk und Strategen darstellt. Sie ist aber auch ein Machtwerkzeug um andere Mächtige zu beeinflussen (wer gegen die Interessen letztendlichen Schriftführer handelt, bekommt nicht den Platz in der Geschichte, den er sich erhofft).


Die atheistische Welt bietet uns einen Einfluss, der uns überlebt. Ein Fußstapfen in der Welt.

Das absolut Beste, was uns eine atheistische Welt zu bieten hat, sind Ahnenreihe und Rasse. Muss ich ausführen, dass das besser ist? Stell dir vor, du verwandelst ein Stück trostloses Land in einen wunderschönen Park, mit Seen ohne Mücken und ganzjährig blühenden Kirschbäumen, der noch lange nach deinem Tod gepflegt wird. Der Park trägt deinen Namen: Michel-Park. Alle Neger gehen gerne in diesen Park und reden oft darüber wie froh sie sind, dass Michel ihnen einen so schönen Park hinterlassen hat. Und jetzt stell dir dasselbe Land vor ohne Park und ohne Neger. Stattdessen hast du Kinder, die dort leben mit ihren Freunden. Dann Enkel, Urenkel. Deren Kinder haben nie von Michel gehört. Und deren Kinder haben Freunde, von denen sie gar nicht wissen, dass sie beide Michel als Vorfahren haben. Sie leben, lachen, spielen, weinen und sind traurig. Sie sind ein lebender Teil von dir, auch wenn sie leider nicht dein Bewusstsein teilen. Aber einigen von ihnen ist bewusst, was du auf dich genommen hast, damit sie leben werden. Genauso wie dir bewusst ist, dass deine Vorfahren, die du auch nicht kennst, dafür gekämpft haben, dass du heute lebst.


Als unvorstellbar reicher und einflussreicher Mensch können wir mehrere der Möglichkeiten nutzen, die uns die atheistische Welt bietet und werden das auch tun. Als gewöhnlicher Mensch können wir das auch. Nur nicht so gut. Wir stoßen dabei an unsere Grenzen. Als Mächtiger sind es oft die Grenzen des Natürlichen.
Wollen wir darüber hinaus, müssen wir ins Übernatürliche. Ob es dies nun gibt oder nicht, sei an dieser Stelle egal. (Natürlich ist das die Frage, die uns mehr interessiert als alles andere, aber ich habe keine Antwort darauf. Wer mehr weiß, kann dazu etwas in die Kommentare schreiben.) Wir müssten jedenfalls an das Übernatürliche glauben, wenn wir glauben wollen, etwas erreichen zu können, das über das Natürliche hinausgeht.

Ab einer gewissen Macht verhält es sich so, dass je mächtiger wir sind, der Glaube an das Übernatürliche immer verlockender und wichtiger wird. Religionen erweitern die Vorstellung der beschränkten, hoffnungslosen Wirklichkeit und sind somit am attraktivsten für Menschen, die spürbar an Grenzen stoßen, die sie anderweitig nicht überwinden können. Das können arme Menschen sein. Das können alte Menschen sein. Das können extrem reiche Menschen sein. Die junge Mittelschicht wird dies am wenigsten betreffen.

Ich glaube nicht, dass Lloyd Blankfein einen coolen oder blöder Spruch abgelassen hat, als er sagte, er tue Gottes Werk. Er hat das gesagt, weil er weiß, dass die wichtigen Menschen ihm glauben werden und er es wahrscheinlich auch glaubt.


Inzwischen ist es schon wieder einige Jahre her, dass ich mich nochmals mit dem alten Testament beschäftigt hatte. Diesmal aus jüdischer Perspektive. Und zeitgleich mit etwas Geschichte. Das war das erste Mal, dass ich einen kleinen Eindruck davon bekommen habe, wie groß der Einfluss des kleinen Judenvolks seit mehreren Tausend Jahren ist. Und wie nützlich das AT als Gesellschaftsregelbuch, Identitätsstifter und Blaupause zur effizienten Machtausübung ist. Das war die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass „die da oben“ nicht „den Markt anbeten“ und dass die Entreligiösisierung (sog. „Aufklärung“) auch dazu dient Herrschaftswissen und Vorstellungen über Herrscher von dem Volk fernzuhalten. (Wer gerade die Wahl hat, sein Kind in Religions- oder Ethikuntericht schicken zu müssen: Religion – blink – blink – blink, nehmt Religion!!!) Die Interpretation des AT durch staatliche Lehrer ist in der Regel wenig hilfreich und die guten Stellen werden selten thematisiert. Ein Grundgerüst über den Aufbau des Werks und die grobe, geschönte Geschichte der frühen Juden und einige Charaktäre wird vermittelt werden. Im Gegenzug dazu ist Ethikunterricht energieloser „westlich“ voreingenommener Theoriedünnschiss.


Leider ist nicht nur die Geschichtsschreibung verfälschbar. Auch Religionen können und werden verändert. „Die Bibel in gerechter Sprache“ ist der offensichtlichste Eingriff. Auf die Änderungen beim Bibelholohaust habe ich an anderer Stelle hingewiesen. Verdächtig ist auch aus dem Quran die Sure „der Tisch“.


Kommen wir auf dich superreichen Menschen zurück. Du hast einen charismatischen Prediger gefunden, der eine Version einer Religion verbreitet, die dich anspricht. Meinen Glückwunsch! Leider ist der Prediger nicht superreich, hat jetzt aber sehr an Einflussmöglichkeiten gewonnen, die er für sich selbst oder einen Gönner nutzen kann.

Frei von Zweifeln wirst du nicht ewig sein und daher auch die weltlichen Transzendenzmöglichkeiten nicht vergessen. Sicher ist sicher. Das schließt natürlich auch deine Ahnenreihe mit ein. Daher ist es für Menschen anderer Abstammung hilfreich, deren Bedeutung zu unterdrücken. Ein Prediger lässt sich kaufen. Ein Geschichtsschreiber auch. Die Ahnenreihe steht in der Vergangenheit fest. Mischlinge haben das Problem, zwar Ahnen zu haben, aber keine Rasse. Daher sind sie eine gute Wahl für Fremdherrscher.

Eine Religion, die mehr als ein Volk leiten soll, ist im besten Fall Mehrschichtig aufgebaut. Mit einer Schicht für einen homogenen Kern, einer erweiterten Schicht für andere, und eventuell dann noch ein paar Schichten mehr. Das kann ein offenes Kastensystem sein oder eine Überlagerung ganzer Religionen die einen gemeinsamen Schnitt enthalten oder eine Aufteilung in Stämme, deren Bedeutung genauerer Interpretation bedarf.

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