Drei Interviews – Wie stehen die syrischen Rebellen zu Israel und zum Iran?

Die jü*ische Rolle hinter den „syrischen Rebellen“: Neben Wikileaks und Logik gibt es jetzt den rauchenden Kolt live vor der Kamera.
Nachdruck von Osis Artikel „Drei Interviews – Wie stehen die syrischen Rebellen zu Israel und zum Iran?“:

angryhorselilhorseIch weiß, dass man eigentlich keine Anglizismen verwenden sollte, aber manche sind einfach zu schön. Mein absoluter Favorit ist “mind-boggling“, aber “from the horse’s mouth” lässt sich auch nur schwer übersetzen. Direkt aus der Quelle oder aus erster Hand trifft es sinngemäß schon, aber die bildliche Vorstellung eines sprechenden Pferdes,  das sich selber entlarvt oder gar blamiert, ist um Klassen besser.

Viel wird über die islamistischen syrischen Rebellen geredet und spekuliert. Was planen sie, wer finanziert sie, wer sind sie überhaupt? Warum werden dermaßen fundamentalistische Islamisten von den USA militärisch unterstützt? Wem würde es nützen, wenn es ihnen gelänge,  Assad zu  stürzen und die Macht zu übernehmen? Wem würde es schaden?

Nun,  es ist immer am besten, das Pferd selber sprechen zu lassen.

Al Jazeera hat drei von ihnen interviewt und sie persönlich befragt, das ist Information direkt from the horse’s mouth. Sehr wahrscheinlich stammen alle Ausschnitte aus längeren Interviews, zumindest eines davon habe ich auch bei youtube gefunden, es ist allerdings auf arabisch ohne englische Untertitel und entzieht sich somit unserer Übersetzung. Die nachfolgenden übersetzten Transkripte von Interviewausschnitten beschäftigen sich mit der Frage nach den Beziehungen Syriens zu benachbarten Staaten, insbesondere Iran und Israel, im Falle des Sturzes der Regierung Assad und einer Teilhabe des jeweiligen Rebellenkommandanten an der neuen syrischen Führung.

1. Interview

Usama_JuneidiInterviewer: Bei uns ist Usama Juneidi Abu al Sayih, der oberste Militärkommandant der Farouq-Brigaden.

Angenommen, das [syrische] Regime würde fallen und Sie würden an der Schaffung der politischen Zukunft Syriens teilhaben oder Teil der zukünftigen Machtstruktur Syriens sein, wie werden dann die Beziehungen zu den Staaten der benachbarten Region und der Welt aussehen? Iran zum Beispiel?

Usama Juneidi: Die iranische Regierung gewährt der kriminellen syrischen Regierung sowie auch Hisbollah und dergleichen große Unterstützung.

Interviewer: Was ist mit der Hisbollah? Was werden Sie im Fall, dass das [syrische] Regime fällt, mit ihr machen?

Usama Juneidi: Wir werden, so Allah will, jegliche Angriffe der Hisbollah auf das zukünftige Syrien verhindern, sowie auch alle revolutionären Profite seitens Hisbollah und anderer.

Interviewer: Und Russland?

Usama Juneidi : Auch Russland. Diese Länder werden, so Allah will, ihre Bestrafung durch internationale Tribunale bekommen, mit der Erlaubnis von Allah, dem Herrn der Welten. Wir werden weiterhin an diesem Ziel arbeiten.

Interviewer: Israel? Wie wird die Beziehung zu Israel aussehen?

Usama Juneidi (zögert): Das ist etwas, was das neue politische Gesicht Syriens zeigen wird, so Allah will.

2. Interview

ahmad_issaInterviewer: Bei uns ist Ahmad Issa,  auch bekannt als Abu Issa, der Führer der Souqour al-Sham (Falken der Levante) und Führer der Islamischen Befreiungsfront Syriens.

Angenommen, die Revolution ist erfolgreich und das derzeitige Regime ist auf die eine oder andere Art verschwunden, wie werden dann die Beziehungen zu den benachbarten Staaten sein? Wie wird zum Beispiel Ihre Beziehung zum Iran sein?

Ahmad Issa: Der Iran ist unser größter Feind und er wird auch unser größter Feind bleiben.

Interviewer: Wie wird Ihre Haltung zu der Hisbollah im Libanon sein?

Ahmad Issa: Die gleiche wie die zum Iran.

Interviewer: Ok. Wie ist Ihre Haltung zu Israel? Wie werden Sie mit dem chronischen Streitpunkt Palästina umgehen?

Ahmad Issa: Die Frage ist verfrüht gestellt, und die Antwort wird von der Straße und dem syrischen Volk gegeben werden. Ich kann [das] nicht bestimmen, ich bin der Führer der Falken der Levante. Ich bin nicht der Präsident Syriens.

3. Interview

zahran_alloushInterviewer: Bei uns ist Zahran Alloush, der Führer des Islam-Bataillons, um mit uns über die militärischen Ziele und politische Ideologie des Bataillons zu sprechen.

Wenn das Regime fällt, wie werden die Beziehungen zu den benachbarten Staaten der Region und dem Rest der Welt aussehen? Wie wird zum Beispiel die Beziehung zum Iran aussehen?

Zahran Alloush: Wir werden die hinterhältigen Hände, die ausgestreckt wurden, um die Söhne unserer Nation anzugreifen, nicht vergessen, seien es die des iranischen Regimes oder die seiner Unterstützer.

Interviewer: Hisbollah?

Zahran Alloush: Ja, Hisbollah.

Interviewer: Wie wird ihr Umgang oder Verhalten gegenüber der Hisbollah sein?

Zahran Alloush: Wir säubern die Länder unserer Ummah  (islamische Nation) von dem Unrat und der Bösartigkeit der Hisbollah-Mitglieder.

Interviewer: Israel?

Zahran Alloush: Unsere Position wird nicht im Widerspruch zu der unserer Ummah stehen.

Interviewer  (lächelt süffisant): Was wollen Sie damit sagen? “Die Position unserer Ummah” ist sehr allgemein gehalten.

Zahran Alloush: Ja.

Wie steht eigentlich der ägyptische Islamist und Muslimbruder Mursi, der jetzt an der Regierung ist, zum Iran?

Ägypten schockiert den Iran:

Seit der Islamischen Revolution von 1979 hat kein ägyptischer Präsident mehr iranischen Boden betreten. Das Verhältnis galt als zerrüttet, weil Ägypten den Schah unterstützt hatte, und dafür hatte man im Gottesstaat des Ayatollah Khomeini kein Verständnis. Als Ägypten dann im gleichen Jahr auch noch Frieden mit Israel schloss, war endgültig diplomatische Funkstille.

(…)

Dann aber folgten der “arabische Frühling” und ein aus dem Lager der Muslimbrüder stammender Präsident am Nil. Plötzlich sollte auch das ägyptische Staatsoberhaupt in Teheran wieder hoffähig sein, einen Neuanfang fasste die iranische Führung ins Auge.

(…)

Mursi machte dem iranischen Gastgeber keine Komplimente, sondern er brüskierte ihn, vollkommen undiplomatisch, unarabisch dazu und – wirkungsvoll. Er sorgte für einen Eklat, als er in seiner Gastrede auf dem 16. Gipfeltreffen der 120 blockfreien Staaten Syriens Führung unter Staatschef Baschar al-Assad ein “Unterdrückungsregime” nannte.

(…)

Einen solchen Eklat hätte der Iran, der weiterhin bedingungslos hinter seinem engsten und wichtigsten arabischen Verbündeten Assad steht, gern vermieden.

Und wie sieht man die Sache im Iran?

Das Dreiecksverhältnis zwischen Ankara, Damaskus und Teheran hat bis zum Frühjahr 2011 gut funktioniert. Zwischen den drei Ländern wurde Visafreiheit vereinbart, der gegenseitige Handel blühte. Die Türkei konnte sehr gut mit Damaskus und gut mit Teheran. Die Beziehungen zwischen Teheran und Damaskus gleichen seit 33 Jahren einer Schicksalsgemeinschaft und basieren auf ideologisch unterfüttertem Pragmatismus, meint Professor Sadegh Zibakalam von der Uni Teheran.

“Abgesehen von Syrien haben wir keine guten Beziehungen zu arabischen Ländern. Wenn die syrische Regierung stürzen sollte, dann geht dem Iran ein strategischer Verbündeter verloren. Der Iran wird die Verbindungsbrücke zu Hisbollah im Libanon verlieren. Deshalb ist für den Iran der Fortbestand des syrischen Regimes von großer Bedeutung.

Hier ist noch die Quelle für die Interviews: Das arabische Originalvideo mit englischen Untertiteln. Das Minenspiel der Islamisten ist nicht ganz uninteressant.

Mohammeds getreueste und wildeste Krieger, Anführer grausamer Kopfabschneiderbrigaden gegenüber syrischen Soldaten, die beim Iran sehr selbstbewusst und entschlossen Klartext sprechen, wirken beim Thema Israel auf einmal vorsichtig, vage und ausweichend – fast wie politisch korrekte westliche Politiker beim Absondern ihrer seichten Phrasen. Gratwanderung zwischen dem Wunsch, Allahs Fußvolk nicht allzu sehr zu verprellen und … ja was eigentlich?

Es bestünde doch gar kein Grund, zaghaft und schwammig-diplomatisch zu sein, schließlich pfeifen doch die Spatzen von den Dächern, dass alle Islamisten das kleine Israel vernichten und sämtliche Juden ins Meer treiben wollen.  Oder gibt es etwa doch: Gute Islamisten – böse Islamisten?

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