Individuelle Folgen misslungener Geschichtserziehung

Ich bin der Meinung, neben den gesunden Formen, auch zwei Arten von Kindern bemerkt zu haben, die durch misslungene Geschichtserziehung dauerhafte Schäden in ihrer sozialen Entwicklung genommen haben.


Die ersten zeigen ein gestörtes Verhältnis zu ihrer eigen Verwandtschaft im weiteren (oft auch im näheren) Sinne. Sie sind unfähig geworden diese als positiv anzuerkennen und versuchen zeitlebens zu verdrängen, dass sie Teil dieser Gemeinschaft sind. In der Regel ist dies gekoppelt mit einer Verschiebung des Bedürfnisses Teil dieser Gemeinschaft zu sein auf andere Gemeinschaften. Wie für Abwehrmechanismun typisch führt auch dies nicht zu einer dauerhaften Reduktion ihrer identitären Krise. Bei einigen Geschädigten tritt auch eine Reaktionsbildung auf, bei der sie versuchen sich einzureden, sie wären mit sehr fremden Menschen „seelenverwandt“. Meist sehr zum Erstaunen der Beobachter. Bei einigen wenigen Geschädigten ist ein destruktives Motiv wahrzunehmen: die Vernichtung ihrer natürlichen Gemeinschaft. Es ist anzunehmen, dass dies selbst in einem Erfolgsfall, ihre identitäre Krise nicht lösen könnte, sondern eher noch verstärken würde. Insgesamt leben diese Menschen ein bedauernswertes aber funktionelles Leben in ihrer Ersatzgemeinschaft. (Funktionell auf individueller Ebene.)

Diese erste Art von derart geschädigten Kindern, in all ihren Ausprägungen, fasse ich unter dem Konstrukt „Caustrierte“ zusammen. Den Auslöser bezeichne ich als „Caustration“. (Zur Erklärung der Wortwahl weiter s.u.) Die Caustration kann als eine Art Taufe für den Eintritt in eine nichtnatürilche Gemeinschaft betrachtet werden.


Die zweite Art der Geschädigten unterscheidet sich charakterlich von der ersten. Sie achten sehr darauf, dass andere „die Regeln“ einhalten. Unter normalen Umständen haben sie eine wertvolle Aufgabe in der Gesellschaft, indem sie verhindern, dass gesellschaftliches Fehlverhalten in zentralen Fragen nicht zu sehr aus dem Ruder läuft. Ein Verständnis für die Komplexität des Lebens ist in der Regel nicht gegeben. Stattdessen finden wir eine Reduktion auf einzelne einfache Regeln die streng befolgt werden müssen, während andere Bereiche chaotisch gehandhabt oder ignoriert werden.

Von diesen Menschen treffen einige auf Lehrer, die eines Tages mit ernster Miene in den Unterricht kommen und den Schülern zu verstehen geben, dass diesmal unter keinen Umständen Spaß akzeptiert wird. Sie erzählen über das Böse vom Bösen und das Niederträchtige vom Niederträchtigen. Die Zuhörer begreifen, dass sie diese Wertvorstellungen alternativlos übernehmen müssen.
Diese zweite Art von Geschädigten hat nun wie alle anderen gelernt was „das Böse“ ist. Aber sie erleben noch mehr. „Das Böse“ trumpft alles. „Nicht das Böse sein“ ist die simple Superregel. Wer sie bricht, hat keine Gnade verdient. Aber sie haben noch mehr gelernt. Die Erwachsen verbringen einen zu kleinen Teil ihrer Zeit damit auf die Superregel zu achten. Auch der Lehrer, der gerade noch todernst unterrichtete, steht fünf Minuten später lachend und scherzend mit der Kaffetasse auf dem Gang. Die ganze Gesellschaft hält sich nicht an die Superregel, die sie selbst akzeptiert und vermittelt!

Die Vorstellung nur von ruchlosen Heuchlern umgeben zu sein, zusammen mit einem von Natur aus reduziertem Gemeinschaftsbedürfnis, bietet die perfekte Gelegenheit die eigene Distanz zu heiligen und sich selbst die Absolution zu dem eigen ständig erlebten gesellschaftlichen Fehlverhalten zu erteilen. Ihr Selbstbild vollzieht „über Nacht“ den Wechsel von „Zero to Hero“. Im Gegensatz zu der ersten Art der Geschädigten werden diese Kinder nicht durch die Taufe zum Teil einer neuen unnatürlich vergrößerten Ersatzgemeinschaft. Sie werden in ihrer Vorstellung kurz nach der Taufe zu etwas Besserem als die Gemeinschaftsmitglieder. Sie leben das, was viele Leute den extremen Konvertiten zuschreiben. Sie werden, wenn man so will, mit Feuer getauft bzw. konvertiert. Sie erleben einen Konvertierungscaust (hergeleitet vom deutschen Wort „Konvertierung“ und der westlichen Schreibweise des griechischen Wortes „kauston“, das ungefähr „Brand“ bedeutet).

Durch die Selbstzuschreibung der höchstrichterlichen Funktion über die Gesellschaft entsteht eine relativ stabile Position, solange die Gesellschaft sich das Benehmen grundlegend gefallen läßt, was leider der Fall ist. Die Stabilität verhindert, das diese Menschen eine erfüllende Rolle als Teil der Gemeinschaft wahrnehmen können. Dabei bietet die Verächtlichmachung des Denkens der Lebenden durch diese konvertierten Meinungswächter mehr als genügend Anlass dazu konsequent und umgreifend eine gesittete Eingliederung in die Gemeinschaft einzufordern.

2 Gedanken zu „Individuelle Folgen misslungener Geschichtserziehung

  1. Pingback: Individuelle Folgen misslungener Geschichtserziehung | Völkermord ist bunt | diwini's blog

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