Bibelholocaust

2 Samuel 12:31

Aber das Volk drinnen führete er heraus und legte sie unter eiserne Sägen und Zacken und eiserne Keile und verbrannte sie in Ziegelöfen. So tat er allen Städten der Kinder Ammon. Da kehrete David und alles Volk wieder gen Jerusalem.

Nein, das ist keine antisemitische Bibelfälschung, die den Juden einen Völkermord an den Ammonitern durch deren Verbrennung in Öfen in die Schuhe schieben soll. Das war die Standardübersetzung aus dem Hebräischen der Bibeln vor 1950. Wem dieser Vers bei seinem Bibelstudium nie aufgefallen ist, braucht sich nicht zu wundern. Er wurde inzwischen leicht modifiziert:

Auch das Volk darin führte er weg; und stellte sie an die Sägen und in die Eisengruben und an die eisernen Äxte und ließ sie an den Ziegelöfen arbeiten. Also tat er allen Städten der Kinder Ammon. Dann kehrten David und alles Volk wieder nach Jerusalem zurück.

Dazu Dr Eduard Peter Koch in dem Artikel „Wahrheit in Deutschland. Zur Inhaftierung des Historikers Udo Walendy, Sleipnir 3(6) (1997), S. 25-31“:

Andererseits erzwingt Auschwitz natürlich geradezu die Fälschung der Bibel an jener Stelle: Die Vernichtung der Juden, …, gilt ja, besonders in seiner eiskalten, „typisch deutschen“ Fabrikmäßigkeit als vorbildlos. Diese holoapokalyptische Einzigartigkeit will bewahrt sein.

Was aber sollen die Bibelleser denken, wenn sie erfahren müssen, daß nicht nur die Engländer die „NS-Konzentrationslager“ erfunden haben, sondern daß ausgerechnet die Juden die Erfinder und ersten Täter an Massenvernichtungsöfen gewesen sind, wie es die Stelle bei Samuel so lebenskräftig schildert?

Nein, die Stelle mußte weg; je mehr das detaillierte Geschehen um Auschwitz vom allgemeinen Bewußtsein Besitz ergriff, desto unabdingbarer! 1964 war es soweit: Langsam kroch die religiös tingierte Etymologie vom Holocaust über die Welt, und Samuels Vernichtungslager mußten dem neueren Einfluß mächtiger Tendenzen weichen.


In seiner Rede „Vom Wesen des Mythos“ (s.u.) hat Eduard Koch auch hingewiesen auf die mythisch-religiöse Dimension des „Holocaust“, den „eifersüchtigen Völkermord. Der Völkermord der keinen anderen Völkermord neben sich duldet“.

Das kein Völkermord neben IHM geduldet wird, entspricht leider auch meiner Erfahrung. Vor allem nicht der Bombenholocaust in deutschen Großstädten wie Dresden.
Mit der religiösen Dimension hat Dr. Koch Recht:

Begriffsgeschichte
Herkunft aus dem Opferkult

Die um 250 v. Chr. begonnene griechische Bibelübersetzung, die Septuaginta (abgekürzt LXX), verwendete holokautoma und holókauston etwa 200 mal für die im Tanach, der hebräischen Bibel, oft nebeneinander stehenden Worte olah (עלה) und kalil (כליל). Diese bedeuten wörtlich: ‚Das, was ganz in Rauch zum Himmel aufsteigt‘. Gemeint sind Tieropfer, bei denen alle Körperteile und Innereien eines geschlachteten und zerteilten Opfertieres auf einem Altar verbrannt wurden, wie es Lev 9,12ff EU beschreibt.

Im Tanach bezeichnet olah einmal ein unausgeführtes Menschenopfer, die Beinahe-Opferung Isaaks (Gen 22,2 EU):

„Gott sprach zu Abraham: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und bringe ihn dort als Brandopfer [LXX: ὁλοκάρπωσιν] dar auf einem Berge, den ich dir sagen werde.“

Nach dem weiteren Text verhindert Gott die Ausführung im letzten Moment und nimmt als Ersatz das Brandopfer [hebr. olah] eines Widders an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%28Begriff%29

Religiöse Konnotation

Der Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel trat 1978 für den exklusiv auf die NS-Judenvernichtung konzentrierten Holocaustbegriff ein und trug damit in den USA wesentlich zu seiner Akzeptanz bei. Er verknüpfte ihn ausdrücklich mit der „Bindung“ (hebr. Akedah, Gen 22 EU), indem er Isaak, den biblischen Stammvater der Israeliten, 1980 als „ersten Überlebenden des Holocaust“ bezeichnete, der Israel lehre zu überleben. Er verstand den Text demnach als Sinnbild für das ohne sein Zutun zur Vernichtung bestimmte, zum wehrlosen Objekt ausgewählte und dennoch zuletzt überlebende Judentum.[48]

Der Judaist Zev Garber und der Sprachforscher Bruce Zuckerman (USA) erklärten dazu: Holocaustüberlebende, deren Vorfahren ihre Verfolgungen oft mit Hilfe dieses Bibeltextes bewältigten, hätten ihr Leiden als notwendige Folge ihrer Erwählung zum Volk Gottes verstanden, dessen Rechtswillen die Völker bekämpfen, also nicht als Folge eines Ungehorsams, den Gott strafe.

Hier wird auch wiedermal die unterschiedliche Auffassung des Alten Testaments zwischen Juden (immer noch gültige Handlungsanweisung, oft in Form von niedergeschriebenen Erzählungen über Handlungen von vor Jahrtausenden) und Christen (ein altes Geschichtsbuch, das durch Jesus‘ Geburt erfüllt wurde) deutlich.

Bevor ich zum Hauptthema zurückkehre, sei nochmal darauf verwiesen, dass der Begriff „Holocaust“ in den 80er Jahren durch Elie Wiesel nur etabliert wurde. Er ist älter. Auch die Verbindung an die Vorstellung von Völkermorden an Juden ist älter. Am 31.10.1919 erschien beispielsweise der Zeitungsartikel „The Crucifixion of Jews Must Stop!“:

„Six million men and women are dying from lack of the necessaries of life … . And this fate is upon them through no fault of their own … but through the awful tyranny of war and a bigoted lust for Jewish blood. In this threatened holocaust of human life, …“


Zurück zum Hauptthema. Kann es sein, dass die Bibel abgeändert wurde, damit Pressure-Groups es leichter haben Deutschen die Erfindung des „fabrikmäßigen Völkermord“ vorzuwerfen?

An dieser Stelle kann ich noch nicht viel sagen.
Die Bibel ist die Grundlage christlichen Glaubens. Hölle, Himmel, Erlösung, usw. Wie kommt es, dass sich die Christen das einfach gefallen lassen? Haben alle Christen ihre Bibeln geändert? Wie steht es mit den Juden?

Der neue Vers kommt mir jedenfalls merkwürdig vor. Die Ammoniter werden besiegt und dann gibt man ihnen gleich eiserne Äxte in die Hand und schickt sie zur Sklavenarbeit? Ich hätte angenommen, dass Eisenäxte nicht gerade zu den schlechtesten Waffen dieser Zeit gehört haben. Die gibt man dann gleich dem Gegner in die Hand und provoziert ihn zusätzlich mit Zwangsarbeit? Das scheint mir nicht ganz rund zu sein.


Zur zweiten Frage:
In den USA gibt es die KJV-only Bewegung die nur eine bestimmte Bibelübersetzung akzeptiert, die (original) King James Version. Diese Übersetzung ist wortgetreu aus dem Hebräischen und Griechischen übersetzt. Zu jeder Teilformulierung gibt es einen Verweis auf die Orginalworte mit Lexikoneintrag ihrer möglichen sprachlichen Übersetzungsmöglichkeiten.

Findige Menschen sind auf die Idee gekommen, eine Bibelausgabe „New King James Version (NKJV)“ zu nennen. Diese wird zurecht abgelehnt. Ein Ofen wandelt sich in ihr beispielsweise zu einer Steinmauer (in 2 Samuel 12:31, dem „Verbrennungs-Völkermord-Vers“), an einer anderen Stelle zu einem Gerichtshof aus Stein:

http://anonym.to/?http://www.sovereignword.org/index.php/defense-of-the-traditional-bible-texts-and-kjb/16-archive-of-will-kinneys-kjb-articles/346-qhe-cut-them-with-sawsq-or-qhe-put-them-to-work-with-sawsq-2-samuel-1231-and-1-chronicles-203

NKJV – 2 Samuel 12:31 – “And he brought out the people who were in it, and PUT THEM TO WORK WITH SAWS AND IRON PICKS AND IRON AXES, AND MADE THEM CROSS OVER TO THE BRICK WORKS.”

(As a side note, the word for “brickkiln” is found only three times in the Hebrew Old Testament. It is # 4404 mal-behn and all three times it is translated as “brickkiln” in the KJB but the NKJV has “brick works” here, “brick courtyard” in Jeremiah 43:9 and “brick kiln” in Nahum 3:14. A brickkiln is a furnace or oven for baking bricks.)

In dem selben Artikel erfahren wir, dass die Änderungen spätestens 1952 das Licht der Welt erblickt haben.

The very first Bible translation to change the meaning found in the King James Bible where David CUT the people with saws and killed them in this way was the liberal Revised Standard Version of 1952.

Der original Vers aus der KJV:

And he brought forth the people that were therein, and put them under saws, and under harrows of iron, and under axes of iron, and made them pass through the brickkiln: and thus did he unto all the cities of the children of Ammon. So David and all the people returned unto Jerusalem.

http://anonym.to/?http://www.kingjamesbibleonline.org/2-Samuel-12-31/

2 Samuel 12:31 bezieht sich auf dasselbe Ereignis wie 1 Chroniken 20:3

And he brought out the people that were in it, and cut them with saws, and with harrows of iron, and with axes. Even so dealt David with all the cities of the children of Ammon. And David and all the people returned to Jerusalem.

Auch dieser Vers wurde in den neuen Versionen abgeändert.

Die hebräische Version bleibt bei der alten Fassung:
http://anonym.to/?http://www.qbible.com/hebrew-old-testament/2-samuel/12.html


Durch die Anmerkungen in der „Neuen Welt Übersetzung“ der Zeugen Jehovas erfahren wir ein Stück mehr:

http://anonym.to/?http://wol.jw.org/de/wol/bc/r10/lp-x/1001060016/1323

2. Samuel 12:31
Und die Leute, die darin waren, führte er hinaus, um sie an die Steinsägen und an scharfe eiserne Geräte+ und an eiserne Äxte zu stellen, und er ließ sie beim Ziegelmachen dienen*. Und so tat er dann mit allen Städten der Söhne Ạmmons. Schließlich kehrte David mit allem Volk nach Jerusalem zurück.

Anmerkung:

http://anonym.to/?http://wol.jw.org/de/wol/fn/r10/lp-x/1001060013/92

„Er ließ sie … dienen“, bei Abänderung eines Buchstabens; M: „er ließ sie … hindurchgehen“.

Es gibt in diesem Vers also einen bestimmten Buchstaben, der entscheidet ob ein Volk in Öfen verbrannt wurde oder an Öfen gearbeitet hat. Unsere Christen hatten 2000 Jahre lang angenommen, es wäre der eine Buchstabe gewesen und dann haben sie sich dafür entschieden, dass es doch der andere war.
Wie kam es dazu und wie lesen die Juden diesen Buchstaben?

Die zweite Frage lässt sich schnell beantworten. Das „M“ in der Anmerkung wird, wie sich gleich zeigen wird, für „Masoretischer Text“ stehen. Das ist für die Juden die (auch heute noch!) gültige Fassung des Alten Testaments. (Die auch in dem „qbible.com/hebrew-old-testament“ Link oben zu finden ist.)

Nach jüdischer Religionslehre haben die Juden also selbst einen Völkermord durch Verbrennungsöfen durchgeführt. Dieses Tat-Art-Wissen war Teil des jüdischen Kollektivbewusstseins (aus der Perspektive des Täters und des Tatbeschuldigten), schon lange bevor Deutschland überhaupt gegründet wurde.


Nähern wir uns der Frage, wie es zu der Änderung der Bibel kam. Von den deutschen Übersetzungen hat die Elberfelder Bibel den Ruf sich möglichst nah am Wortsinn zu orientieren.
Aus der Elberfelder Jubiläumsbibel:

Das Vorwort:


Im Jahre 1960 begann daher eine Kommission mit der Überarbeitung. Die Grundsätze der Revisionsarbeit waren:

3. Die Benutzung des besten griechischen bzw. hebräischen Textes. Als die Übersetzer der Elberfelder Bibel vor etwa 130 Jahren an die Arbeit gingen, lagen sowohl der griechische Text des Neuen Testaments als auch der hebräische Text des Alten Testaments, nach heutigen Maßstäben gemessen, nur in relativ späten und zum Teil nachträglich veränderten Abschriften vor. Hier hat die gelehrte Arbeit am Text sowie die Entdeckung älterer und besserer Handschriften inzwischen zu beachtlichen Ergebnissen geführt, so dass uns heute der Grundtext der Bibel in erheblich zuverlässigeren Textausgaben zur Verfügung steht.

Besondere Probleme stellten sich im Alten Testament. Der gültige hebräische Text (der sog. Masoretische Text) ist durch die lange Zeit der Überlieferung, in der immer eine Handschrift von der anderen abgeschrieben wurde, an mehreren Stellen so entstellt, dass der ursprüngliche Sinn nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden kann. Der naheliegenden Versuchung, den hebräischen Text hier einfach durch sogenannte Konjekturen (= Vermutungen) zu verändern, wie es viele andere Übersetzungen getan haben, ohne dass der Leser dies nachprüfen kann, haben wir widerstanden. Für die revidierte Elberfelder Übersetzung des Alten Testaments gelten hier drei Grundregeln:
1. Es wird der gültige hebräische Text übersetzt, der sogenannte Masoretische Text. Abweichende Lesarten oder Varianten, die auf einer der frühen Übersetzungen (z.B. der LXX) beruhen, werden in den Anmerkungen angegeben.
2. Weicht die Übersetzung von dieser Regel ab, wird die Version des Masoretischen Textes in einer Anmerkung angegeben, so dass der Leser die Möglichkeit der Nachprüfung hat.
3. Derartige Abweichungen vom Masoretischen Text werden so gering wie möglich gehalten.

1. Andere Lesarten: Die Bibel ist uns in Hunderten von Handschriften erhalten, die an einigen Stellen voneinander abweichen (»Lesarten«). Meist läßt sich die echte, d.h. der ursprüngliche Text leicht herausfinden. Gelegentlich ist jedoch die Entscheidung, welche von zwei oder drei Lesarten die älteste ist, nicht eindeutig zu treffen. Dann steht in der Anmerkung: »andere Handschr. lesen …« oder: »nach anderer Lesart …« bzw. ein Hinweis auf eine der frühen Übersetzungen.
2. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: Manchmal läßt sich die Grundbedeutung eines Wortes nicht in die Übersetzung aufnehmen. Gelegentlich hat ein Wort auch mehrere deutsche Entsprechungen, von denen an der betreffenden Textstelle ab nur eine in der Übersetzung stehen kann. Hier wird dann in der Anmerkung oft auf die andere (bzw. die wörtliche) Übersetzungsmöglichkeit hingewiesen.

Allgemeine Abkürzungen und Begriffe:

LXX: Septuaginta: die älteste grieche. Üs. des AT (seit dem 3. Jh. v. Chr.)
Mas. T.: Masoretischer Text: der von den Masoreten (jüdische Textforscher vom 2. bis 10. Jh.) festgelegte gültige hebr. Text.
T.: So mit erschlossenem Text. Einige Stellen des Mas. T. können so, wie sie überliefert sind, nicht sinnvoll übersetzt werden. Es können in der langen Überlieferungsgeschichte der Bücher des AT Abschreibfehler vorgekommen sein, wodurch jede Übersetzung vor Probleme gestellt wird. Wir sind in solchen Fällen ausnahmsweise vom Mas. T. abgewichen und haben versucht, die Textform zu finden, die dem uspr. hebr. Text so nahe wie Möglich kommt, oft unter Anlehnung an eine der alten Übersetzungen, z.B. die LXX. Der Mas. T. steht dann in der Anmerkung.
w.: wörtlich

Die Verse:
2. Samuel 12:31

Das Volk aber, das darin war, führte er heraus und stellte es an die Steinsäge, an die eisernen Pickel und an die eisernen Beile und ließ sie als Sklaven an den Ziegelformen arbeiten. Und so machte er es mit allen Städten der Söhne Ammon. Und David und das ganze Volk kehrten nach Jerusalem zurück.

(Fußnote:)
T.; Mas. T.: ließ sie durch die Ziegelformen gehen

1. Chronik 20:3 (Kursivschrift aus dem Orginal übernommen)

Das Volk aber, das darin war, holte er heraus und stellte es an die Steinsäge, an die eisernen Pickel und an die Beile. So machte es David mit allen Städten der Söhne Ammon. Und David und das ganze Velk kehrten nach Jerusalem zurück.

(Anmerkung unter dem Vers:)
Ein Goldtalent wog – im Falle des »leichten« Talentes – schützungsweise 30 kg (vgl. 19,6). Er stellte es an die Steinsäge, an die eisernen Pickel und an die Beile: so in Übereinstimmung mit 2Sam 12,31; nach dem Mas. T.: zersägte (es) mit der Steinsäge, mit den eisernen Pickeln und mit den Steinsägen (die hebr. Wörter für »stellte an« und »zersägte« unterscheiden sich nur durch einen Buchstaben).

Interessant auch die Übersetzungsentscheidungen der vorangehenden Verse (s.u.):
1. Chronik 20:2

Und David nahm ihrem König die Krone vom Haupt; und er fand sie ein Goldtalent schwer, und ein Edelstein war an ihr; und sie kam auf das Haupt Davids. Und er brachte eine große Menge Beute aus der Stadt heraus.

(Fußnote:)
w. die Krone ihres Königs von seinem Haupt. – Andere lesen mit LXX-Ausgaben: die Krone des Milkom von seinem Haupt; Milkom war ein Gott der Ammonieter

2. Samuel 12:30

Und er nahm ihrem König die Krone von seinem Haupt, Ihr Gewicht war ein Talent Gold, und ein kostbarer Stein (war an ihr). Und sie kam auf das Haupt Davids. Und das Plündergut der Stadt brachte er in großer Menge hinaus.

(Textanmerkung:)
Nach LXX nahm → David »die Krone Milkorns« vom Haupt des ammonitischen Königs. Der ursprünglich unvokalisierte hebr. Text läßt diese Lesart zu. Milkom war der ammonitische Staatsgott (1 Kö 11,5.33; 2 Kö 23,5ff.13; Jer 49,1ff), dem der König seine Autorität verdankte. Die Krone wog ca. 34 kg. Der Mas. T. mit ihrem König ist aber wohl vorzuziehen, denn David dürfte sich kaum die Krone eines heidnischen Gottes aufgesetzt haben.

In beiden Vorgängerversen hat man sich ausdrücklich für den Masoretischen Text entschieden, was zusätzlich mit der Sinnhaftigkeit begründet wird. In den beiden darauf folgenden Versen beide Male dagegen. Einmal ohne und einmal mit der „Begründung“, dass ein Abschreibfehler leicht möglich gewesen sein könnte (in beide Richtungen). Natürlich bestand bei dem Masoretischen Text mehr Zeit um Fehler einzubauen. Anderseits mag für die Ersteller des LXX weniger gut gepflegtes Grundmaterial existiert haben und die Gemeinschaft griechisch sprechender Juden weniger groß gewesen sein.
Der potentielle abschreibe Fehler im Masoretischen Text befindet sich gleich in zwei weit entfernten Versen für das Zersägen der Ammoniter und in einem für das Verbrennen in den Öfen. Wenn nicht gleichzeitig an allen drei Stellen Abschreibefehler entstanden sind, hätte es irgendeinem Rabbi an den Diskrepanzen auffallen sollen, dass er einen schlechten Text vorliegen hat.

Das Argument „es ist nur ein einzige Buchstabe“ ist sachlich und logisch falsch. Zum Einen sind es drei verteilte aber zusammenhängende Buchstaben. Zum Anderen kommt es bedeutend auf den Sinn an.

Ein Buchstabe macht aus dem Wort „Auschwitz“ das Wort „Arschwitz“ wie es der jüdische Komiker Sacha Baron Cohen in seinem Film „Brüno“ benutzt. Ich bin mir sicher, dass es jedem Rabbi auffallen würde, der ein Geschichtsbuch über das letzte Jahrhundert lesen würde, in dem dieser einzelne Buchstabe der Wortprägung Cohens entspricht.

Drei Buchstaben machen aus dem Wort „Judentum“ das Wort „Judensau“. Würden das alle Rabbis beim lesen des Alten Testament übersehen, weil es nur drei Buchstaben sind, die sich verändert haben? Ich glaube nicht. Genauso wenig, wie wenn eine geschichtliche Handlungsvorgabe von einem der obersten jüdischen Superhelden vom Völkermord zur Sklaverei wird. Das „nur ein einziger Buchstabe“ Argument halte ich an dieser Stelle für ausgesprochen schwach. Mit dem Wissen von einigen Absätzen die noch folgen, sieht es mehr nach einem Indiz für etwas ganz anderes aus. Eine große Änderung des Sinns fällt jedenfalls bei einem Zeichen genauso auf wie bei einer ganzen Seite, wenn es sich um einen so bedeutenden Text handelt.

Eine Zeichenänderung (das Vorzeichen) macht aus dem Vermögen von Bill Gates die größten Geldschulden eines Privatmanns, die die Welt je gesehen hat. So etwas fällt jedem auf der gewissenhaft ließt (wie man es bei Rabbis und ihren religiösen Grundlagenbüchern erwarten sollte), auch wenn es nur ein Zeichen ist.

Wenn sich die Bedeutung so sehr ändert, dann fällt das einfach auf, egal an wie vielen Zeichen es gelegen hat. Kein Richter in Deutschland würde es durchgehen lassen, wenn Revisionisten sagen, dass ein Völkermord an Juden und deren Zwangsarbeit sich im Hebräischen nur durch einen Buchstaben unterscheiden. Die Bedeutung ist absolut unterschiedlich. Auch für die Rabbis.

Wahrscheinlicher sind Änderungen, bei denen zwanzig Buchstaben falsch abgeschrieben werden, aber die Informationen sich kaum ändern und sich mit der Zeit gemächlich ein Inhalt wandelt. Unser Gedächnis für Zeichen und sogar Formulierungen ist wesentlich schlechter als das für Geschichten und Zusammenhänge.

Die Alternative, dass die Übersetzer ins Griechische bewusst ein anderes Bild vom Judentum zeichnen wollten, klingt für mich am logischsten. Griechisch ist eine Sprache, die auch Außerhalb des Judentums verstanden wurde. Auch hier sehe ich Motiv und Logik wieder bei der Bibelmanipulation.

Möglich sind aber beide Wege. Letztendlich haben sich aber die Rabbis nicht dazu verleiten lassen, aus dem griechischen Text auf Korrekturen in ihrer Fassung zu schließen.


Die Elberfelder erwähnt noch weitere mögliche Textdokumente, die allerdings ebensowenig zu einer Änderung der jüdischen Version geführt haben. Bei diesen Textdokumenten handelt es sich vermutlich um die „Schriftrollen vom Toten Meer“:

Die Schriftrollen vom Toten Meer stimmen teilweise mit dem Masoretischen Text, teilweise mit der Vorlage der Septuaginta, teilweise mit keinem der beiden Texte oder aber mit beiden überein; in etlichen Fällen haben sie jedoch gemeinsam mit der Septuaginta die gleiche Lesart gegen den Masoretischen Text. Dies macht es wahrscheinlich, dass die Septuaginta an diesen Stellen eigenständige und teilweise ursprünglichere hebräische Lesarten überliefert hat, und es erlaubt den Schluss, dass dies auch bei einigen derjenigen Unterschiede zwischen Septuaginta und Masoretischem Text gilt, für die es kein Vergleichsmaterial aus Qumran gibt.
Der masoretische Text bildet heute den im Judentum benutzten Tanachtext. Im Christentum stellt er die wichtigste Quelle für Bibelübersetzungen des Alten Testaments dar. Der masoretische Text ist faktisch kanonisiert und hat prinzipiell den Vorrang vor allen anderen Versionen. Übersetzer, Exegeten und Theologen wählen in Einzelfällen andere Varianten, aber nur dann, wenn begründete Zweifel an der masoretischen Textform bestehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Masoretischer_Text

Die Schriftrollen vom Toten Meer (auch Qumranschriften) wurden zwischen 1947 und 1956 in elf Felshöhlen nahe der Ruinenstätte Khirbet Qumran im Westjordanland entdeckt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftrollen_vom_Toten_Meer

Im Frühjahr 1947 fand der Beduine Mohammed Ad-Dib 1,3 km nördlich von Qumran eine Höhle mit Schriftrollen, angeblich beim Suchen einer entlaufenen Ziege. Dies gilt als verkaufsfördernde Legendenbildung, da seine Familie zum Stamm der Taamireh gehörte, die seit langem mit archäologischen Funden handelten.

Ich verstehe nicht, wie die Ziegengeschichte den Verkauf von Bibelschriftrollen begünstigen soll. Vielleicht so: „Sitzt der Papst in Rom. Es klingelt das Telefon. ‚Du, Papst, in Palästina sind alte Bibelschriftrollen gefunden worden.‘ ‚Ach, langweilig!‘ ‚Nein, nein, hör zu! Der Finder hat sie gefunden als er eine entlaufene Ziege gesucht hat.‘ ‚Was! Die Rollen müssen wir unbedingt kaufen! Hoffentlich bietet keiner mehr als wir.'“ Da schachteln sich die Lügen.

Ab 1952 beauftragte Jordanien Roland de Vaux mit systematischer Suche nach weiteren Rollen bei Qumran. Er und sein Team fanden bis 1956 Bruchstücke von etwa 75 verschiedenen biblischen Büchern in Höhle 1 und Scherben von bis zu 50 Tonkrügen, in denen ursprünglich 150 bis 200 Rollen aufbewahrt worden sein können. Im gleichen Zeitraum fanden organisierte Suchtrupps am Westufer des Toten Meeres 30 weitere Höhlen mit Spuren antiker Benutzung, in zehn davon Reste von Handschriften, über 380 davon in Höhle 4 und relativ unbeschädigte Rollen in Höhle 11.
Weitere in antiker Zeit deponierte Schriften, die sich im trockenen Wüstenklima erhalten hatten, wurden 1952 im Wadi Murabba’at (20 km südlich von Qumran), 1960 im Nachal Chever, in Wadi Sdeir und Nachal Ze’elim und ab 1963 auf Masada entdeckt. 2004 fanden Beduinen Schriftrollenreste in einer weiteren Höhle beim Nachal Arugot südlich von En Gedi.

Weitere Funde:

1949 nach dem Palästinakrieg fand Gerald Lankester Harding, Leiter des Amts für Altertümer Jordaniens, zu dessen Gebiet Qumran gehörte, Höhle 1 mit Resten von fünf der sieben Schriftrollen und Tonscherben.

1947 und 1949 wurden Rollen gefunden, in derselben Höhle (1). Die könnten in die Bibel von 1952 eingearbeitet worden sein. Bei den nächsten Funden ab 1952 wird es schon knapp mit Finden, Verkaufen, Auswerten, Echtheitstests, Abstimmung, Einarbeitung und Druck der Bibel im selben Jahr. 1Q7, die siebte Rolle aus Höhle 1 enthält Teile des Buch Samuel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bibelhandschriften_vom_Toten_Meer

Zur Echtheit einiger Rollen:

Leder-, Papyrus- und Stoffreste aus den Höhlen ließen sich mit der C14-Methode in den Zeitraum 250 v. Chr. bis 70 n. Chr. datieren. Die meisten davon stammen aus 100 v. Chr. bis 30 n. Chr., ein kleinerer Teil entstand zwischen 200 und 100 v. Chr., einige wenige noch früher.
Chemische Analysen von Giuseppe Pappalardo ergaben, dass das Pergament der Rollen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Region, wo es später gefunden, auch hergestellt wurde.
Vergleiche von Schriftstilen, Abkürzungen, Ausdrücken mit den Methoden der Paläographie und historischen Bezügen in den Texten selbst erlaubten, viele Fragmente relativ sicher in diese Zeitspanne einzuordnen.

Die Tinte (oder womit die auch immer geschrieben haben) hat man anscheinend nicht datiert. Erst recht nicht jeden einzelnen (oder drei verschiedene) Buchstaben. Bei einer nachträglichen Änderung von alten Dokumenten, würde die Anzahl der Buchstaben wirklich eine Rolle spielen, da jede Manipulation das Risiko in sich trägt schiefzugehen. Die geringe Anzahl der Buchstaben, verbuche ich deshalb eher als Indiz für diesen Erklärungsweg.

Die Daten zu denen die Rollen gefunden wurden, scheinen zunächst einmal den Zeitraum der Bibelveränderungen zu erklären. Wie der Zufall so will, treffen die für Juden wichtigste Geschichtsschreibung und die Änderung der Grundlagen der größten Religionsgemeinschaft der Welt zusammen. Oder die Juden-Kolonialisierung Palästinas hat etwas damit zu tun. Spekulation über das „Wie“ kann ich mir in jede beliebige Richtung vorstellen.

Die Funde bezüglich des Buchs Samuel:

Samuel-Fragmente
Bei zahlreichen Fragmenten der Rollen Buch Samuel, die aus Höhle 4 überliefert sind (4QSama-c), stimmt der Text häufig mit der Septuaginta gegen den Masoretischen Text überein. Die Samuelfunde sind bedeutsam für die Textkritik und Erhellung der Kompositionsgeschichte dieser Bücher; eine befriedigende Theorie dazu steht noch aus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_Samuel

Die Funde aus Höhle 4 weichen also vom Buch Samuel ab. Die Bibelrevision scheint aber auf die Zeit zurückzugehen, in der nur Höhle 1 entdeckt war (s.o.).

Die ältesten erhaltenen Handschriften des Samuelbuches stammen aus Qumran. Dort wurden im letzten Jahrhundert in zwei Höhlen eine große Anzahl an Schriftrollen-Bruchstücken gefunden, die zu insgesamt vier verschiedenen Samuel-Rollen gehören (1QSam, 4QSama-c). Zusammengenommen enthalten diese Bruchstücke etwa ein Zwölftel des gesamten Textes des Samuelbuches .
Von vielen Forschern wird 4QSamb als eine der ältesten erhaltenen Bibelhandschriften überhaupt angesehen. Diese Rolle gehört zu den ganz wenigen Qumran-Funden, die in das dritte vorchristliche Jahrhundert datiert werden. Die anderen drei Samuel-Handschriften (1QSam, 4QSama+c) dürften (wie die große Mehrheit der Bibelhandschriften aus Qumran) in das zweite oder erste vorchristliche Jahrhundert zu datieren sein.
Der Text der Samuel-Rollen aus Qumran weicht signifikant vom späteren masoretischen Text ab. Oft decken sich die Abweichungen mit dem Text der Septuaginta. Obwohl die genaue Erforschung des Verhältnisses zwischen Qumran und masoretischem Text noch aussteht, zeichnen sich die Grundzüge eines Forschungskonsenses ab: Danach bezeugen die Qumran-Handschriften einen im Vergleich zum masoretischen Text älteren Text des Samuelbuches.

Und trotzdem bleiben die Juden vollständig beim Masoretischen Text.

Die jüngste und heute gebräuchliche Textform des Samuelbuches stellt der masoretische Text dar. Im Vergleich zu vielen anderen biblischen Büchern ist die Qualität seiner Überlieferung eher schlecht: Er ist mit erheblichen textkritischen Problemen belastet, für deren Lösung oftmals die Septuaginta und neuerdings auch die Qumran-Funde herangezogen werden.
Der masoretische Text wurde im nachchristlichen Judentum und in weiten Teilen des westlichen Christentums als einzig autoritativer Text rezipiert (anders in der Orthodoxie, wo die Septuaginta als autoritativ gilt). Daher bildet der masoretische Text auch die Grundlage fast aller modernen Bibelübersetzungen außerhalb der orthodoxen Länder. Als späteste Form des Samuelbuches („Endtext“) und weil er in den jüdischen und christlichen Glaubensgemeinschaften gebräuchlich ist, nehmen auch die meisten Forscher dem masoretischen Text zur Grundlage ihrer Exegese.

Die Forscher nehmen also hauptsächlich den masoretischen Text als Grundlage für die Bücher Samuel. Aber bei dem Verbrennungs-Völkermord, machen sie eine Ausnahme.


Insgesamt finden sich genügend Begründungen, die Christen davon abgehalten haben könnten, aufzuspringen und sich gegen eine Manipulation ihrer Glaubengrundsätze zu beschweren und stattdessen den Balken im eigenen Auge bestaunt haben. Viele amerikanische Christen haben das aber nicht mit sich machen lassen und haben sich auf die KJV festgelegt.

Nach allem was ich gelesen habe, halte ich das Akzeptieren der Änderungen für eine Fehlentscheidung und vertraue lieber auf die Rabbiner als auf die besiegten Christen. Gläubigen Christen kann ich nur empfehlen weitere und genauere Nachforschungen anzustellen.


Wenn ein Pressure-Group-Machtjude wiedermal einen rauchenden Schornstein als sprachliches Druckelement für aktuelle politische Ziele missbraucht, wäre es ihm bestimmt unangenehm zu hören, dass man sich dabei an den Völkermord der Juden an den Ammonitern erinnert fühlt, die diese Art des Genozids anscheinend erfunden und kaltschnäuzig durchgezogen haben, wie die KJV-only Bewegung glaubt und wie es auch in den gültigen jüdischen Schriften steht.


Aber zurück zu den Zufällen. In den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es noch eine maßgebliche Änderung in der größten christlichen Kirche: Das zweite Vatikanische Konzil, das wenig bis gar nichts mit neuen Schriftrollen zu tun hatte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zweites_Vatikanisches_Konzil
„Datum 11. Oktober 1962–8. Dezember 1965“

Der Papst wies in der lateinischen Eröffnungsansprache Gaudet Mater Ecclesia („Es freut sich die Mutter Kirche“) ausdrücklich darauf hin, dass eine gewisse Aktualisierung dogmatischer Sätze im Sinne ihrer Orientierung auf das Verständnis des gegenwärtigen Zeitalters möglich und notwendig sei.

Wenn er den Satz nur 20 Jahre zuvor in dem selben Land gesagt hätte, wüsste ich schon, wie wir es heute in der Schule interpretieren müssten.

https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Vatican_Council
„Date 1962–1965“

At the same time, the world’s bishops faced tremendous challenges driven by political, social, economic, and technological change. Some of these bishops sought new ways of addressing those challenges.

Getrieben von politischem, sozialen, ökonomischen und technischem Wandel. Hört sich das nicht nach „Seelenheil für die Gläubigen“ an?

Zum Papsttum mehr bei AdS:
http://schwertasblog.wordpress.com/2013/03/01/der-papst-und-die-wolfe/


Reden von Eduard Koch auf Youtube:

Der Verlust der Väterlichkeit 1
Der Verlust der Väterlichkeit 2
Der Verlust der Väterlichkeit 3
Der Verlust der Väterlichkeit 4
Der Verlust der Väterlichkeit 5
Der Verlust der Väterlichkeit 6
Der Verlust der Väterlichkeit 7

Vom Wesen des Mythos 1
Vom Wesen des Mythos 2
Vom Wesen des Mythos 3
Vom Wesen des Mythos 4
Vom Wesen des Mythos 6
Vom Wesen des Mythos 8
Vom Wesen des Mythos 9
Vom Wesen des Mythos 10
Vom Wesen des Mythos 11

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Ein Gedanke zu „Bibelholocaust

  1. Katja

    Hat Herr Dr. Koch Bücher geschrieben? Wenn ja wo kann ich sie bekommen?

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