Nachverhandeln

Es ist ein Irrtum wenn Menschen glauben, dass es ihnen helfen würde, wenn sie gegenüber hinterhältigen Nazijägern nachgäben, um aus der Schusslinie zu kommen. Das funktioniert eventuell noch, wenn man für „unschuldig“ gehalten wird und nur als Mittel missbraucht wird, um das echte Ziel zu angreifen zu können. (Also beispielsweise: „Klopf, Klopf. Hallo Herr Vermieter. Bei ihnen wohnt ein böser Nazi.“ „Ah, nicht gut. Ich schmeiß ihn sofort raus ohne ihn anzuhören. Auf Wiedersehen!“)

In anderen Fällen kann man es vergessen.

Rein gesellschaftlich gesehen erwarten wir mit gesundem Menschenverstand, dass, wenn wir dem anderen wirklich entgegenkommen (und sogar seine Bedingungen erfüllen), er auch uns entgegenkommen wird. Tut er das nicht, erleidet der andere in der Regel einen Vertauensverlust, falls er keine gute Entschuldigung anbringen kann. Wenn das Ganze öffentlich geschieht, sogar gesamtgesellschaftlich.

Der Einfluss von volksfeindlichen Unterdrückern basiert aber nicht auf Vertauen und Wohlwollen (des Volkes) sondern auf Angst und Terror. Die riskieren nichts, wenn sie nachverhandeln.

Das Einknicken des Opfers recht sich in dieser Situation gleich mehrfach:

  • Durch das Nachgeben hat man in der Regel ein kleines Schuldeingeständnis abgegeben und ist somit nach eigener Aussage nicht mehr unschuldig.
  • Da der gewissenlose Nazijäger gefühlsmäßig sein gesellschaftliches Ansehen auf’s Spiel gesetzt zu haben scheint und mit dem Entgegenkommen nicht zufrieden ist, scheint an seinen hohen Anschuldigung doch etwas Wahres dran zu sein. (Hitler hat dieses „große Lüge“ Prinzip der Marxisten in anderem Kontext aufgedeckt.)
  • Das Opfer enttäuscht durch sein Einknicken die eigenen Unterstützer.
  • Das Opfer wird beim Einknicken lügen müssen und läuft Gefahr sich zu verstricken. Moralische Höhe wird verloren.
  • Widersprüche lassen das Opfer unglaubwürdig erscheinen.
  • Wenn das Opfer selbst nicht an seiner Version festhält, befindet man sich in einer blöden Situation, wenn man es verteidigt und es noch weiter einknickt.
  • Wenn das Opfer die Ausreden des lügenden Unterdrückers abkauft und ein weiterverhandeln für möglich hält, ist es mental in eine partnerschaftliche Handelssituation eingetreten, auf dem Weg zu einem Deal, in den es schon investiert hat und dessen Einsatz es nicht zurückbekommen kann.

Normalerweise wäre das meiste davon kein Problem. Man ist dem anderen entgegengekommen. Er kommt einem selber entgegen. Friede, Freude, Eierkuchen. Alle gehen ihre Wege.

Der Unterdrücker spielt aber nicht nach diesen Regeln und befindet sich danach in einer hervorganden Position für weitere Angriffe, die er nicht verschenken wird. Auch wenn es dem Instinkt widerspricht, ist das so sicher wie gedruckt. Alternativ kann sich der Unterdrücker auch zufrieden gegeben präsentieren und ein weiterer auf den Plan treten, der nun nachverhandelt.

Wie so ein Nachverhandeln „charmant“ vorgetragen klingt, kann man mEn an dem Auftritt der Jüdin Annetta Kahane abschätzen:
http://www.youtube.com/watch?v=gydKvo6zhEc

Die gleich folgenden Zitate stammen von dem ebenfalls jüdischen Saul Alinsky aus seiner Anleitung „Rules for Radicals“.

Die Zitate beziehe ich darauf was man dementsprechend grundlegend zu erwarten hat, wenn man wirklch als Ziel ausgesucht wurde und nicht bloß angepöbelt wurde oder zum eigenwilligen Zeitvertreib von kleingeistigen Halbstarken herhalten muss. In den letzten Fällen empfiehlt sich die Angreifer zu langweilen und komplettes Unverständnis über deren Absichten und die Zusammenhänge zur eigenen Person darzustellen. Jeder Mensch hat das Recht dumm (ohne Augenzwinkern und Betonung!), verwirrt und langweilig zu sein. Ein faktischer Unschuldsbeweis weckt eher Interesse und Vermutungen wo vorher nichts gewesen ist.

Ist man selbst ein echtes (Teil-)Ziel, kann man mit folgendem rechnen:

The eighth rule: Keep the pressure on, with different tactics and actions, and utilize all events of the period for your purpose.

The tenth rule: The major premise for tactics is the development of operations that will maintain a constant pressure upon the opposition. It is this unceasing pressure that results in the reactions from the opposition that are essential for the success of the campaign.

Man kann nicht ausweichen und die Ausweichversuche sind eingeplant:

The thirteenth rule: Pick the target, freeze it, personalize it, and polarize it.

In conflict tactics there are certain rules that the organizer should always regard as universalities. One is that the opposition must be singled out as the target and „frozen.“ By this I mean that in a complex, interrelated, urban society, it becomes increasingly difficult to single out who is to blame for any particular evil. There is a constant, and somewhat legitimate, passing of the buck.

It should be borne in mind that the target is always trying to shift responsibility to get out of being the target. There is a constant squirming and moving and strategy—purposeful, and malicious at times, other times just for straight self-survival—on the part of the designated target. The forces for change must keep this in mind and pin that target down securely.

One of the criteria in picking your target is the target’s vulnerability—where do you have the power to start? Furthermore, any target can always say, „Why do you center on me when there are others to blame as well?“ When you „freeze the target,“ you disregard these arguments and, for the moment, all the others to blame.

One acts decisively only in the conviction that all the angels are on one side and all the devils on the other. A leader may struggle toward a decision and weigh the merits and demerits of a situation which is 52 per cent positive and 48 per cent negative, but once the decision is reached he must assume that his cause is 100 per cent positive and the opposition 100 per cent negative. He can’t toss forever in limbo, and avoid decision. He can’t weigh arguments or reflect endlessly—he must decide and act.

The real action is in the enemy’s reaction.
The enemy properly goaded and guided in his reaction will be your major strength.
• Tactics, like organization, like life, require that you move with the action.

So ist es!

Ich verzweifle häufig wenn Menschen argumentieren, man bräuchte sich nicht mit den Methoden des Gegners auseinanderzusetzen, da die mit unseren Mitteln sowieso nicht durchführbar wären. Und am besten kämpfe man edel und gut wie ein Ritter in völliger Unkenntnis über die unedlen Wege der Niederträchtigen.

Es gibt den Spruch „Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.“ Wenn ich aber die Möglichkeit ausgeschlagen habe, mich vorher über das Vorgehen von „you“ zu informieren, dann muss es heißen „Fool me once, shame on me“.

Deshalb noch ein weiterer Blick ins Regelwerk:

Always remember the first rule of power tactics:
Power is not only what you have but what the enemy thinks you have.

The seventh rule: A tactic that drags on too long becomes a drag. Man can sustain militant interest in any issue for only a limited time, after which it becomes a ritualistic commitment, like going to church on Sunday mornings. New issues and crises are always developing, and one’s reaction becomes, „Well, my heart bleeds for those people and I’m all for the boycott, but after all there are other important things in life“—and there it goes.

Dieses Problem wird durch den bekannten jüdischen Leitsatz abgeschwächt: „Never forgive! Never forget!“

The ninth rule: The threat is usually more terrifying than the thing itself.

Das letzte gilt psychologisch betrachtet nicht nur für die geistig ausgemalten Schreckensbilder, sondern auch für die Handlungsmotivation, die bei 50/50 Chancen ungefähr am höchsten ist. Eine sichere Geißelung bietet kein Anlass zum Handeln. Das ist einigen auch aus den „erlernte Hilfslosigkeit“ Versuchen bekannt. Die informierte Sicherheit über das strikte Verhaltensmuster des Unterdrückers, hilft die Situation zu überstehen.

Über Saul Alinskys Regelwerk wird bei Gelegenheit noch ein Artikel erscheinen. Im Grundprinzip erscheint es mir nicht viel anders als Teile von Hitlers Buch. Nur ideologisch anders gefärbt und stärker auf einen denkunwilligen Nutzer abgestimmt. Das ist verständlich, da Hitler stammesgleiche Menschen rekrutieren konnte, die seine Ziele teilten und vollständig aufgeklärt werden konnten. Alinsky hat hauptsächlich Neger für seine Ziele eingespannt.

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2 Gedanken zu „Nachverhandeln

  1. Hildesvin

    Es gibt Möglichkeiten, Gegenaktionen auszuüben, ohne sich erwischen zu lassen. Noch.
    ―――――――
    Kommentar leicht abgeändert. (reinigungskraft)

  2. Moritz "Sympathieträger" Haberland

    Ich weiß, Du wolltest hier keine „Sabbelseite“ aufmachen, doch soviel wollte ich mal loswerden: Ich meine, Du hast mit Deinen Ideen und Deinen schriftlichen Beiträgen mehr zu dem beizutragen, was Dich / mich / uns bewegt, als allein oder nur mit dem „niekisch“ im Nirwana des Netzes Selbstgespräche zu führen.

    Vernetzen ist kein „Angeben“, sondern notwendiger Austausch. Daß dabei nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte, habe ich in fast 60 Lebensjahren auch schon herausgefunden.

    Wenn Du möchtest, schick mir mal einen elektronischen Brief (Adresse hast Du ja jetzt) oder komm vielleicht mal auf meiner Lieblingsseite: http://deutscheseck.wordpress.com/ vorbei.
    (Ist nicht meine, vielleicht gefällt sie Dir.)

    Gruß M.H.

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